HOME
weiter
zurück



   

Titel:
Pilze in der Gesamtschule
Untertitel:
Grünfleckige Riesenschirmlinge in der Vogel-Voliere des Foyers an der Apfelstraße

VON ARNO LEY

•Schildesche. "Ich habe keine Ahnung, wie sie da hineingekommen sind. Plötzlich waren sie einfach da." Dieter Herrmann betreut seit Jahren die Vogel-Voliere im Foyer der Martin-Niemöller-Gesamtschule. "Aber so etwas hatte ich dort noch nie." Mehr als Handteller-groß sind die Hüte der Pilze, die plötzlich aus dem Boden des Käfigs gesprossen sind.

"Das sind an die 40 prächtige Exemplare", hat Herrmann gezählt. "Kräftige Dinger", urteilt er. Doch sind sie gefährlich? "Ich habe keine Ahnung, was das für Pilze sind. Aber den Tieren haben sie offensichtlich noch nicht geschadet." Die hüpfen und flattern weiter lebhaft in dem Glashäuschen herum, dass eher einem Gewächshaus ähnelt als einem klassischen Vogelbauer.

Herrmann ist Mitglied des Kanarienzucht- und Vogelschutzvereins Bielefeld-Schildesche von 1912. Seine Freunde und er widmen sich mit Leidenschaft der Vogelzucht. Sie haben schon so manche Preise gewonnen. Über den Ursprung der Vogel-Voliere in der drittgrößten Schule des Landes Nordrhein-Westfalen weiß er nur wenig.

"Ein anderer Verein hatte sie vor uns eingerichtet." Irgendwann aber fand sich kein Betreuer mehr. "Da sind wir vom Kanarienverein dann eingesprungen."

Gegenwärtig ist Herrmann der Chef im Käfig, unterstützt von Horst Sensing. Doch auch andere Vereinskameraden packen mit an, wenn es notwendig ist. Da es sich um eine Voliere mit gemischtem Besatz handelt, sind Zuchterfolge dort selten. "Die Vogelarten machen sich untereinander zu viel Stress." Zucht ist aber nicht der Sinn des Käfigs. "Die Kinder und auch die Lehrer sollen sich an den Tieren erfreuen."

Alle paar Wochen startet Herrmann eine Aktion "groß Reinemachen". "Die Voliere wird ja von vielen Leuten eingesehen. Da soll das Ganze auch einen guten Eindruck machen." Mit Liebe gestalten Herrmann und seine Freunde die wenigen Quadratmeter aus. Beim letzten Mal hat er frische Blumenerde und Rindenmulch eingebracht. "Da müssen die Pilzsporen drin gewesen sein", vermutet er.

Nun laufen Wachteln zwischen den Pilzen hindurch. Die Vogelzüchter halten zudem Webervögel, Rotbrustsamenknacker, Grauedelsänger, Chinesische Nachtigallen und Mozambique-Girlitze sowie je eine Gelbbauchammer und einen Zebrafinken im Gehege. Alle scheinen wohlauf. Denn weder für sie noch für die Menschen in der Schule scheint eine Gefahr von den Pilzen auszugehen.

"Vermutlich ist es der grünfleckige Riesenschirmling, der dort wächst", glaubt Wilhelm Harting, Lehrer für Biologie und Religion an der Gesamtschule. "Auch wenn die meisten schon etwas zerfallen sind, scheinen sie doch anders auszusehen als der Parasol, den ich besser kenne", sagt er. Der Parasol ist auch eine Riesenschirmlingsart. "Aber der hat einen deutlicheren Buckel", weiß Harting.

Der Parasol kommt in Kiefernwäldern vor, der grünfleckige Verwandte ebenfalls auf Waldlichtungen. "Der Rindenmulch dürfte von Kiefern stammen", meint der Lehrer sich der Ursache des Bewuchses sicher zu sein.

Selbst wenn die Pilze genießbar sein sollten, Riesenschirmlinge gelten als schmackhaft, probieren möchte sie niemand. "Die bereichern die Voliere, sind doch auch interessant zu betrachten", freut sich Herrmann über seinen unerwarteten Zuchterfolg.